Internationale Mobilität: Zwischen Workation, Digital Nomads und Entsendung

Technologie gestaltet neue Arbeitswelten

Die Internationalisierung des Arbeitsmarktes hat in den vergangenen Jahren eine Dynamik erreicht, die über ein bloßes Globalisierungsmuster hinausgeht. Während Unternehmen in der Vergangenheit Mitarbeitende auf eine klassische Entsendung geschickt haben, sind in den letzten Jahren neue Formen der grenzüberschreitenden Arbeit entstanden.

Dieser Artikel beschreibt die neuen Gegebenheiten am Arbeitsmarkt, die – beeinflusst durch Digitalisierung, Demographie und den Wertewandel – zu notwendigen Anpassungen etablierter Beschäftigungsmodelle geführt haben und weiterhin führen.

Die Digitalisierung hat die Arbeitswelt radikal verändert. Tätigkeiten, die nicht an eine Produktionsstätte gebunden sind, können mittlerweile global ausgeführt werden. Physische Präsenz ist durch digitale Kollaborationstools, Cloud-Infrastrukturen und asynchrone Arbeitsmodelle größtenteils nicht mehr notwendig.

Zugleich forciert die Digitalisierung die Zunahme anspruchsvollerer Tätigkeiten. Repetitive Tätigkeiten werden immer häufiger automatisiert und Einstiegspositionen durch KI-Agenten übernommen. Die daraus resultierende Dynamik des Arbeitsmarktes stellt eine Herausforderung dar, da aus der Vergangenheit bekannte Arbeitsmodelle an Bedeutung verlieren.

Demografischer Wandel verändert Deutschlands Talentlandschaft

Deutschland weist seit Jahrzehnten eine der niedrigsten Geburtenraten Europas auf. Laut dem Statistischen Bundesamt lag die Geburtenrate im Jahr 2024 bei 1,35 Kindern je Frau – deutlich unter dem für Bestandserhalt notwendigen Wert von 2,1. Diese dauerhaft niedrige Fertilität ist einer der Hauptfaktoren für die Schrumpfung der jüngeren Bevölkerungsgruppen.

Im Gegenzug steigt der Anteil der älteren Bevölkerungsgruppen an: Aktuell liegt er bei den über 65-Jährigen bei rund 21 % und wird bis 2030 auf 29 % steigen. Die steigende Lebenserwartung und die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer (1946–1964), die in den kommenden Jahren in Rente gehen, verstärken diesen Trend zusätzlich.

Neben dem demographischen Wandel sehen wir auch eine Veränderung in der Qualifikation: wurde in der Vergangenheit überwiegend im produzierenden Gewerbe ausgebildet, muss die deutsche Industrie nun den Anschluss an die modernen Technologien finden. 

Woher werden also in 20 Jahren die erforderlichen Fachkräfte kommen, wenn sich sowohl die Altersstruktur als auch die Ausrichtung der Qualifikation geändert hat?

Hier wird man verstärkt Talente aus Regionen sowohl außerhalb Deutschlands als auch außerhalb der EU gewinnen müssen. Diese Herausforderung hat auch die Politik erkannt, die aktuell verstärkt um hochqualifizierte Fachkräfte aus Märkten wie Indien oder der Türkei wirbt.

Sozialversicherungspflichtige IKT-Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit

Arbeit folgt dem Leben

In den letzten Jahren haben Flexibilität, Selbstbestimmung und Mobilität an Bedeutung gewonnen. Arbeit wird zunehmend in Lebensentwürfe integriert, nicht umgekehrt. Die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wann und wo man arbeitet, ist eines der großen Mitarbeiter-Benefits der Zukunft.

Da die Digitalisierung neue Arbeitsmodelle ermöglicht, werden Konzepte wie das kurzfristige Arbeiten an einem anderen Ort (Workation) oder auch ein Arbeitsaufenthalt über mehrere Monate im Ausland (Work Abroad) häufiger nachgefragt. Im Extremfall ist der Arbeitnehmende gar nicht mehr an einen Ort gebunden und als digitaler Nomade unterwegs.

An diesen Wertewandel und die daraus entstandenen Arbeitsmodelle passen sich Gesetzgebungen und Sozialversicherungssysteme an. Hier haben sich einige Nationen hervorgetan und besonders für die digitalen Nomaden einen attraktiven gesetzlichen Rahmen geschaffen. Bereits über 50 Nationen bieten für diesen wachsenden Trend Lösungen an (www.globalcitizensolutions.com).

Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch, dass sich Beschäftigte, die eines dieser Arbeitsmodelle nutzen, stärker auf eine private Absicherung bei Krankheit und für die Altersvorsorge kümmern müssen und sich nicht mehr auf die staatliche Absicherung verlassen können.

Internationale Einsätze im Wandel

Es stellt sich die Frage: Warum ist eine Entsendung immer noch für den Arbeitsmarkt relevant? Während es bei flexiblen Arbeitsbedingungen um die Fachkraft im Allgemeinen geht, handelt es sich bei einem Expat um eine spezifische Qualifikation oder sogar Person, die ein Arbeitgeber in einem anderen Land benötigt.

Auch hier hat sich der Arbeitsmarkt weiterentwickelt: War in der Vergangenheit ein Expatriate-Verhältnis der Standard für eine klassische Entsendung, haben Kostendruck und erschwerte Visabestimmungen in einigen Ländern zu einer Lokalisierung geführt, d.h. einer kosteneffizienten oder gesetzlich vorgegebenen Einbindung in die lokale Sozialversicherung mit lokalem Arbeitsvertrag. Dienstleister haben diesen Markt erkannt bieten ein lokales Arbeitsverhältnis über einen „Employer of Record“ (deutsch: Arbeitnehmerüberlassung) an.

Alle Modelle haben ihre Gemeinsamkeit in der Befristung und Entsendung eines Arbeitnehmers, eventuell mit Familie, ins Ausland. Daher ist es wichtig, diese Personen nicht nur während der Entsendung im Ausland angemessen zu versorgen, sondern auch eine Weiterführung nach Beendigung im Heimat- oder Drittland zu gewährleisten.

Der Arbeitsmarkt der Zukunft

Die Arbeitswelt der Zukunft ist hybrid. Weder Workation noch digitale Nomaden werden klassische Entsendungen vollständig ersetzen, zudem wird es weiterin stationäre Jobs geben. Es wird ein Mosaik aus Arbeitsformen entstehen, deren Ausprägungen sich je nach Branche, Unternehmensgröße und individueller Lebenssituation unterscheiden.

Drei Entwicklungen des Arbeitsmarktes zeichnen sich ab:

Damit steigen die Anforderungen an HR-Manager, sowohl in inhaltlicher als auch in geographischer Hinsicht. Das Spannungsfeld aus technischen Möglichkeiten, sich verändernder Demographie und internationaler Gewinnung von Talenten wird komplexer. Gleichzeitig bieten sich dadurch neue Chancen.

Vor dem Hintergrund der sich verändernden Rahmenbedingungen im Arbeitsmarkt gewinnt die Einbindung eines international aufgestellten Beratungsunternehmens an Bedeutung, um eine passgenaue und zukunftsfähige Lösung zu finden.

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